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Praxis bleibt in Familienhand

Tochter tritt in die Fußstapfen von Hausärztin Karin Hocher

Das Team der Hausarztpraxis: Karin Hocher, Cornelia Bodendorfer, Annabel Maler und Mitarbeiterinnen
Es bleibt in der Familie: Allgemeinmedizinerin Karin Hocher (3. von rechts) hat ihre Praxis in die Hände ihrer Tochter Cornelia Bodendorfer (3. von links) gegeben. Ihre Tochter Annabel Maler gehört ebenfalls zum Team — sie lernt Medizinische Fachangestellte und studiert parallel Praxismanagement. Auch die Mitarbeiterinnen (von links) Olesja Eierich, Michaela Puller und Katrin Böhm bleiben der Hausarztpraxis treu. Die Hunde Kaya und Suzie sind dort ebenfalls stets anzutreffen. Foto: Arndt Hoppe / Westfalen-Blatt

RAHDEN (RZ). Wenn Hausärzte in den Ruhestand gehen, ist es auf dem Land oft sehr schwierig, eine Nachfolge zu finden. Doch in der Praxis von Karin Hocher in Rahden bleibt in Zukunft alles in Familienhand.

Denn Anfang 2025 hat die Allgemeinmedizinerin die Verantwortung für die Praxis in die Hände ihrer Tochter Cornelia Bodendorfer gelegt. Dass sie die Familientradition fortsetzt, ist durchaus außergewöhnlich. Denn die heute 56-Jährige entschied sich erst im Alter von 39 Jahren, Medizin zu studieren.

Aus Thüringen über Stemwede

Für die Erfüllung ihrer beruflichen Ziele hat Karin Hocher in ihrem Leben zahlreiche Kämpfe ausgefochten. Ihre Karriere verlief keineswegs geradlinig. Sie stammt aus der Kur- und Rosenstadt Bad Langensalza in Thüringen und absolvierte ihre medizinische Ausbildung noch zu DDR-Zeiten.

„Ich hatte meine Doktorarbeit fertig geschrieben“, erzählt sie. „Aber für die Verteidigung der Arbeit hätte ich Marxismus-Leninismus belegen müssen, um den Doktor zu bekommen.“ Da wollte sie nicht mitspielen und so blieb es beim Medizin-Diplom. Nach langem Kampf gegen die Stasi ging sie noch vor der Wiedervereinigung im Jahr 1989 in den Westen und landete in Stemwede. Zuerst begann sie als angestellte Ärztin in Levern, bevor sie sich zwölf Jahre lang als Hausärztin in Oppenwehe niederließ.

13 Jahre Ausbildung für die Nachfolge

Für Cornelia Bodendorfer war es ein weitreichender Entschluss, mit 39 Jahren und als Alleinerziehende das Wagnis eines Medizinstudiums zu beginnen. Auch ihre Biografie war von der DDR geprägt: „Ich habe mal Schneiderin gelernt. Das Abitur war mir verwehrt worden, weil ich einen Ausreiseantrag gestellt hatte“, erzählt sie.

Das Abi holte sie in Stuttgart nach, gefolgt von einer Ausbildung zur Physiotherapeutin, bevor sie den Schritt zum Studium wagte. „Den Schritt bereue ich kein bisschen“, sagt sie im Rückblick. 13 Jahre dauerte es insgesamt, bis sie nach Studium und Facharztausbildung die Nachfolge ihrer Mutter antreten konnte.

Enkelin Annabel mit in der Praxis

In der Praxis kann sie sich auf ein eingespieltes Team verlassen. Ein kleines Jubiläum konnte Mitarbeiterin Olesja Eierich feiern, die seit zehn Jahren in der Praxis tätig ist. Die medizinische Tradition wird bereits in der dritten Generation fortgesetzt: Tochter Annabel Maler arbeitet ebenfalls in der Praxis. Sie macht eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte (MFA) und absolviert parallel ein Duales Studium für Praxismanagement in Hannover.

Zwei Hunde gehören mit zum Team

Trotz der Herausforderungen überwiegt für beide Medizinerinnen die Freude am Beruf. „Es ist eine Berufung. Besonders schön ist, dass man als Hausärztin die Familien über viele Jahre hinweg begleitet“, sagt Karin Hocher.

Freude machen auch zwei besondere Team-Mitglieder: die Hunde Kaya und Suzie. Die beiden sind immer in der Praxis präsent. „Auf viele Patienten, die zum Beispiel psychosomatisch behandelt werden, haben die Tiere einen sehr positiven Effekt“, sagt die Hausärztin. Deshalb beginnt sie mit Kaya bald eine Ausbildung zur Therapie-Hündin.

Quelle: Rahdener Zeitung (Westfalen-Blatt), 17. Februar 2026
Autor: Arndt Hoppe
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